Über Hebbel

Friedrich Hebbel (1813 - 1863) war einer der sprachmächtigsten, gedankenreichsten und vielseitigsten Dichter des 19. Jahrhunderts. Geboren als Sohn eines Tagelöhners in Wesselburen, erkämpfte er sich durch Hungerjahre in Hamburg, München, Paris und Rom schließlich eine geachtete, nie unumstrittene Position in Wien.

Als Dramatiker war er der legitime Nachfolger Schillers und Kleists, als Lyriker spannte er eine Brücke zwischen Goethe und George, als Prosaist war er einer der Begründer der Kurzgeschichte.

Sein Tagebuch ist das einzigartige Dokument einer lebenslangen Suche nach der eigenen Bestimmung.

Den Keim meines Unglücks kenne ich sehr wohl: es ist mein Dichter-Talent. Dieses ist zu groß, als daß ich es unterdrücken, zu klein, als daß es mich für die darauf zu verwendende Sorgfalt verhältnißmäßig lohnen könnte. Doch muß ich noch hinzufügen, daß nur der schlimme Weg, den ich durchs Leben machen mußte, mich zu meinem Talent in ein so übles Verhältniß gestellt hat. Ich fühle es nur zu deutlich: die Handhaben, die Hebel, durch die sich meine Kräfte in Bewegung setzen lassen, sind zerbrochen, und ich bin viel reicher, als mir je gelingen wird, zu zeigen.

Tagebuch, 22. November 1838