Aktuelles
Veranstaltungen im Herbst 2009
Tagung der Hebbel-Gesellschaft
am 5. / 6. Juni 2010 in Wesselburen
Rückblick auf Symposion und Tagung 2009
Grillparzer und Hebbel: Tragödie im Theater des 19. Jahrhunderts
Internationales Symposion in Wien, 21. - 23. Mai 2009
Hebbel-Gesellschaft (Wesselburen)
Grillparzer-Gesellschaft (Wien)
Leitung: Monika Ritzer/Johann Hüttner
Österreichische Gesellschaft für Literatur
Herrengasse 5 · 1010 Wien
Bericht
Eine Zusammenfassung der Beiträge, die ausführlich in den nächsten Hebbel-Jahrbüchern erscheinen werden.
Monika Ritzer (Leipzig):
Trauerspiel versus Tragödie: Konstellationen des 19. Jahrhunderts im Drama der Antipoden Grillparzer und Hebbel
Hebbels engagierte Lektüre von König Ottokars Glück und Ende zeigt wie in einem Brennglas die Übereinstimmung der literarischen Interessen und ihre Divergenz: Während Grillparzers Figuren, wie die Grabbes oder Büchners, die Heteronomie-Erfahrungen der Nachklassik reflektieren und sich die Tragödie daher zum Trauerspiel hin öffnet, begreift Hebbel die neue Natürlichkeit des Individuums, in ihrer Ambivalenz von Legitimität und sozialer Sprengkraft, als Herausforderung für die Tragödie. Gleich ‚modern‘ in ihren Problemkonstellationen, unterscheiden sich beide Autoren doch in ihrer Perspektivik und kommen so zu literarisch unterschiedlichen Lösungsmodellen.
Jürgen Söring (Neuchâtel):
Rechtsordnung, Pleonexie und Tragödie. Einige allgemeine Erwägungen mit einem Ausblick auf Grillparzers Bruderzwist in Habsburg und Hebbels Demetrius-Fragment
Der Vortrag möchte zunächst im Rückgang auf die Griechen der zentralen ethisch-religiösen, sozialen und politischen Bedeutung des Rechtsproblems für die tragische Dichtung nachspüren und sodann aufzeigen, daß und inwiefern der geschichtlich bedingte Wandel des Rechtsdiskurses in Richtung auf eine ‚Legitimation durch Verfahren‘ Trauerspiel und Tragödie bei Grillparzer und Hebbel tendenziell aufzuweichen beginnt.
Martin Huber (Hagen):
Vom Mythos zur Geschichte. Formen der Re-Theatralisierung bei Grillparzer und Hebbel
Bei allen Unterschieden in Poetik und ästhetischer Umsetzung ihrer dramatischen Konzepte gilt doch für Grillparzer wie für Hebbel, daß sie das Theater des 18. Jahrhunderts nachhaltig in eine andere Form der Moderne weitergeführt haben. Der Vortrag wählt zwei eng miteinander verbundene Perspektiven für die Auseinandersetzung von Grillparzer und Hebbel mit ihren Vorgängern: Einer inhaltlichen Verschiebung vom Mythos zur Geschichte korrespondiert die Modernisierung des Mediums Theater selbst. Beide Autoren setzen in ihren Theaterkonzepten auf Elemente einer Re-Theatralisierung und geben in ihren Trauerspielen dem Theater als performative Vermittlungsinstanz zwischen Kunst und Gesellschaft neues Potential zur zeitgemäßen Darstellung von Individualität und Geschichte. Im Zentrum des Beitrags stehen Hebbels und Grillparzers Ansätze zu einer theatralischen Unmittelbarkeit und Vergegenwärtigung.
Katherine Arens (Austin, Texas):
Belehrende Öffentlichkeitssphäre oder didaktischer Erinnerungsraum? Geschichtsdramen und Geschichte als ‚Querelle des Anciens et des Modernes‘
Theaterstücke von Autoren aus Österreich-Ungarn und dem deutschsprachigen Europa waren im 19. Jahrhundert auf der Wiener Bühne reichlich vertreten. In der Literaturgeschichte gilt aber nach wie vor Goethes Weimarer Hoftheater als Quelle des ‚modernen‘ deutschsprachigen Dramas, wie z. B. erst jüngst wieder Peter-André Alt in „Klassische Endspiele: Das Theater Goethes und Schillers“ (2008) betont. Im Gegensatz dazu will dieser Vortrag zeigen, daß zu jener Zeit noch ganz andere Konzepte die Bühne als Ort der Erkenntnis prägten, die diese Modernisierungsthese in Frage stellen. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Kategorie des ‚historischen Dramas‘ im Kontext der philosophischen Geschichtsvorstellungen im deutschsprachigen Europa näher beleuchtet. Ausgehend von der repräsentativen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts wird deutlich, daß die Bühne für das historische Drama zwei deutlich unterschiedliche Konfigurationen aufweist.
Geschichtsdramen, wie Grillparzer sie verstand, beruhen auf oft traditionell überlieferten Geschichtstatsachen und damit einem narrativen Verständnis von Geschichte. Für Grillparzer ist Geschichte immer perspektivisch und repräsentativ für eine spezifische gesellschaftliche Gruppierung. Dieses erkenntnistheorethische Bühnenverständnis zielt auf die Erschaffung eines diskursiven öffentlichen Raumes, in dem der breiteren Öffentlichkeit Verbesserungsvorschläge zur Diskussion gestellt werden, die vom Bühnenautor angeregt, aber keinesfalls abgeschlossen wird.
Dramen in der Weimarer Tradition (Hebbels Neuerungen mit eingeschlossen) fassen hingegen Geschichte eher mimetisch-didaktisch auf: Die Bühne dient dazu, ein logisch gegliedertes Verständnis der Ursachen und der Bedeutung von Geschichtstatsachen aufzuführen, das die Zuschauer nachvollziehen sollen.
In beiden Fällen werden Ereignisse aus der Geschichte neu gedacht und dargestellt, und beide beanspruchen und fordern das Engagement des Zuschauers. Die Einschätzung aber, welche der beiden Darstellungsformen als modern zu gelten hat, weicht radikal von der traditionellen Einschätzung ab, wenn man das Verhältnis von Dramatiker, Geschichtsverständnis und öffentlichem Raum in den Blick nimmt. Dieser Blick auf die Autorität des Stückeschreibers und sein Verhältnis zur Macht legt nahe, daß das, was auf der Bühne als dramaturgisch moderner erscheinen mag, sich dann leicht als Stimme der ‚anciens‘ entpuppt.
Herbert Kaiser (Duisburg-Essen):
„Die Wahrheit ist der Tod der Intention“ (Walter Benjamin). Notwendigkeit und Schuld in den Dramen von Hebbel und Grillparzer.
Agnes Bernauer und Die Jüdin von Toledo sind als motivverwandte Dramen schon oft verglichen worden. Aber gerade ihre stoffliche Verwandtschaft (Mord an einer schönen Frau aus Staatsnotstand), ihre zeitliche Nähe (1851) und besonders ihre gleichen Gattungsbezeichnungen als ‚Trauerspiel‘ machen es möglich, gezielt ihre elementare Verschiedenheit herauszuarbeiten. Hebbel schreibt eine Tragödie, Grillparzer ein Trauerspiel. Auf der Grundlage knapper Interpretationsskizzen eröffnet Benjamins Maxime (aus dem „Ursprung des deutschen Trauerspiels“, 1925/28) eine heute zwar ungewohnte, aber doch Erkenntnis versprechende Perspektive nicht nur auf die poetischen Grundlagen beider Dichter, sondern auch auf ihr Menschenbild und ihre Stellung in ihrer Zeit.
Jürgen Hein (Münster): „Augiasställe“ versus „Volksgeist“: Hebbel, Grillparzer und das Wiener Volkstheater.
Hebbel und Grillparzer sind vom Wiener Volkstheater nicht unbeeinflußt. Während Grillparzer die Nähe zu diesem ‚anderen‘ Theater nicht leugnet, beharrt Hebbel auf der
strikten Trennung von ‚hohem‘ und ‚niederem‘ Theater und verwahrt sich gegen das Eindringen der Unterhaltungsdramatik der Vorstadtbühnen in das Hofburgtheater. Gleichwohl schätzte er eine „gute Posse“ und stellt sie über ein „mittelmäßiges Trauerspiel“:
„Aber gute wie schlechte Possen sollen mir da nicht in den Weg treten, wo ich auf etwas Höheres gefaßt bin und gefaßt sein darf; sie sollen sich in die Räume nicht eindrängen, die der Tragödie und der ihr vollkommen ebenbürtigen, wenn auch in Deutschland nur schwach repräsentierten Komödie ausschließlich geweiht sind.“
In Die Dramatiker der Jetztzeit heißt es:
„Statt des geharnischten Geistes unserer Vorzeit, taumelt Nante Strumpf in der zerrissenen Jacke aus den Coulissen hervor und zeigt uns, welchen Humor Dummheit und Branntewein erzeugen, wenn sie sich im Kopf eines Eckenstehers ein Rendezvous geben; wollen sich Schiller und Goethe einmal aus dem Exil heranwagen, so tritt ihnen Nestroys Plumpuddings-Genius in den Weg, dem sie dann freilich auch bescheiden weichen; Shakespeares und Calderons Zauberwelten ersticken schon in der Geburt an dem Kopfschütteln des Maschinenmeisters, der seine Mittel für Raimunds Tollhausspuk zusammen halten muß. (…) Ein Lustspiel hatten wir niemals, Possen und Albernheiten vertreten dessen Stelle.“
Grillparzer bemerkt: „Meinen eigenen Arbeiten merkt man an, daß ich in der Kindheit mich an den Geister- und Feenmärchen des Leopoldstädter Theaters ergötzt habe.“ Die Rezension der Buchausgabe von Raimunds Werken artikuliert sein Verhältnis zum Theater. Andererseits ist auch er um Abgrenzung bemüht, wie ein Brief anläßlich der Zensur und des Aufführungsverbots von König Ottokars Glück und Ende an den Polizeiminister Sedlnitzky beweist:
„Wenn E. E. meinen Ottokar verbieten, rauben Sie mir die Frucht jahrelanger Arbeiten, meine Aussicht auf die Zukunft, vernichten mich, und in mir vielleicht eine Reihe aufkeimender Talente, die mein Beispiel sich zur Warnung nehmen und sich zur Gemeinheit der Journale oder der Posse der Leopoldstädterbühne flüchten werden, von denen mich enthalten zu haben, an mir so hart bestraft wird.“
Dramaturgie und Bildersprache beider Dramatiker zeugen von einer produktiven Nachbarschaft zum Wiener Volkstheater im Kontext epochentypischer Züge, die zur Parallellektüre einlädt, etwa der Märchendramen Raimunds, der Possen Nestroys und von Volksstücken des 19. Jahrhunderts. Auch eine Affinität zum Besitzdenken, zur Macht- und Emanzipationsthematik kann festgestellt werden.
Brigitte Dalinger (Wien)
„Die Judith der Bibel kann ich nicht brauchen“: Hebbels Adaption des Judith-Stoffs und Nestroys Satire
Die „Judith der Bibel“ als „Inbegriff einer mutigen Frau, die dort eintritt, wo Männer verzweifeln“, konnte Hebbel nach eigenen Angaben „nicht brauchen“. Er nahm diese Figur dennoch auf, individualisierte sie, vertiefte den Konflikt und beschrieb – nach eigenen Angaben – die „Tat eines Weibes“, was für ihn den „ärgsten Kontrast“ darstellte, eine Frau, die nach eigenem Willen handelt. Der Vortrag analysiert, wie Hebbel in seiner „Tragödie in fünf Akten“ mit diesem Stoff verfuhr, im Spannungsfeld der biblischen Vorgabe, der eigenen Intention sowie der damaligen und heutigen Rezeption. Johann Nestroys Satire Judith und Holofernes wurde sechs Wochen nach der Wiener Erstaufführung von Hebbels Judith uraufgeführt. Wie dieser Stoff hier behandelt wurde, auch welche zeitgenössischen Einflüsse in diese Satire einflossen, wird gleichfalls untersucht.
Ulrike Tanzer (Salzburg)
„Zur Liebes- und nicht zur Tugendheldin bestimmt“. Franz Grillparzers Ester-Rezeption
Franz Grillparzers Auseinandersetzung mit dem alttestamentarischen Ester-Stoff fällt in die Entstehungszeit seiner späten Dramen. Das Buch Ester steht im dritten Teil der hebräischen Bibel als letzte der „fünf Festrollen“, die in der Reihenfolge angeordnet sind, in der sie an bestimmten Festen des religiösen Festkalenders gelesen werden. Die teils historische, teils legendenhafte Geschichte über die Entstehung des jüdischen Purimfestes war ob seines profan anmutenden Inhalts und der Tatsache, daß im Buch Ester als einzigem Buch der hebräischen Bibel der Name Gottes nicht erwähnt wird, lange umstritten. (Dies manifestiert sich in bis heute stark differierenden Auslegungen im Christentum und Judentum.) Die Rezeption des Stoffes spiegelt die Zwiespältigkeit der Ester-Figur wider: Zwar rettet sie ihr Volk, ist aber lange Zeit unaufrichtig und will zunächst nur sich selbst retten. Der Befehl Mardochais an Ester, ihre Herkunft geheim zu halten (im Namen Ester klingt die Bedeutung „verborgen sein“ an) sollte denn auch, laut Grillparzer, „den Knotenpunkt des ganzen Dramas“ bilden.
Damit wird Esters Geschichte nicht religiös-politisch überhöht, sondern als ‚Liebestragödie‘ inszeniert. Grillparzers Drama ist Fragment geblieben, wurde aber zu Lebzeiten des Schriftstellers und bei Gedenkfeiern nach seinem Tod mehrfach aufgeführt. Der Vortrag gibt Einblick in die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte, analysiert die Geschlechterkonstellationen und situiert das Dramenfragment im Kontext des Spätwerks.
Johann Sonnleitner (Wien) Jungfrau und Weib: zur Typologie des Weiblichen in Hebbels Trauerspiel Judith
Wolfgang Müller-Funk (Wien): Hebbel und Grillparzer: Tableaus aus Franz Kafkas Tagebüchern 1918–1920
Es wird gezeigt, wie Kafkas Lektüre von Grillparzer – und am Rande von Hebbel – beide Texturen verändert und zwischen Grillparzer eine Gemeinsamkeit etabliert, die bereits Claudio Magris als konstituiv für die österreichische Literatur angesehen hat: Schüchternheit, Hemmung, Scham. Kafkas Lebensinterpretation erfolgt vor dem Hintergrund des Armen Spielmanns sowie der Tagebücher. Damit ist ein Versagen bezeichnet, daß sowohl historisch-politisch als sexuell-intim zu verstehen ist. Die Grillparzer-Lektüre Kafkas entfaltet so einen spannenden intertextuellen Zusammenhang.
Hilde Haider (Wien):Grillparzers Schauspielertheater
Grillparzer feierte mit der Ahnfrau zwar einen beachtlichen Publikumserfolg, trotzdem irritierte ihn schon damals die Diskrepanz zwischen den Figuren seiner dichterischen Phantasie und deren leibhaftiger Verkörperung. Dies verwundert nicht, da die von Grillparzer geschaffenen Rollen von den Schauspielerinnen und Schauspielern ein über die damaligen Theaterkonventionen weit hinausgehendes künstlerisches Instrumentarium erforderten. Diese zukunftsweisenden Anforderungen werden im Kontext von Grillparzers Ansichten zur Theaterpraxis an einigen Beispielen aufgezeigt.
Petra Stuber (Leipzig)
Seltsame Vorstellungen von Grillparzer und Hebbel. Inszenierungspraxis und Theatergeschichtsschreibung
Das Meininger Hoftheater hat am Ende des 19. Jahrhunderts sehr erfolgreich Grillparzer gespielt (Hebbel weniger). Nach Shakespeare, Schiller und Kleist war Grillparzer für die Meininger der wichtigste Theaterautor. Das Ester-Fragment wurde gleich für das zweite große Gastspiel 1875 inszeniert. Die Ahnfrau stand ab 1877 für 15 Jahre auf dem Spielplan. Zu diesen beiden Inszenierungen wird im Vortrag vielfältiges Bild- und Textmaterial gezeigt. Vor allem aber wird anhand des Soufflierbuches zur Ahnfrau über den Mythos von der Meininger Texttreue nachgedacht. Der Text der Ahnfrau ist nämlich um die Hälfte gekürzt (und es sieht bei allen anderen von der Autorin untersuchten Inszenierungen der Meininger nicht anders aus). Woher kommt diese seltsame Vorstellung in der Theatergeschichtsschreibung, nach der in den Inszenierungen des Meininger Hoftheaters der reine Text auf der Bühne erschienen sei?
Matthias Grüne (Leipzig)
Grillparzer und Hebbel am Burgtheater: Heinrich Laubes Inszenierungen
Heinrich Laubes Leistung als künstlerischer Direktor des Burgtheaters wurde bislang weder von der Hebbel- noch von der Grillparzer-Forschung adäquat gewürdigt. Beklagte die eine Seite Ignoranz gegenüber dem Werk des norddeutschen Autors, so sah die andere Laubes Bemühungen um die ‚Wiederauferstehung‘ des österreichischen ‚Dichterfürsten‘, trotz unverkennbarer Verdienste, mit Skepsis. Der Vortrag führt zu einer vermittelnden Position: Laubes Wirken gerecht werden, verlangt Verständnis für seine Vorstellung von Theater als einer professionell organisierten Kulturinstitution mit primär gesellschaftsbildender Funktion. Theaterästhetische wie literaturtheoretische Aspekte treten demgegenüber zurück, und so erklären sich die Reibungen mit Hebbel (in geringerem Maße mit Grillparzer) eher aus Laubes Amts-, als aus seinem Kunstverständnis. Zu fragen wäre freilich, ob nicht gerade diese Offenheit des literarischen Urteils eine Zusammenarbeit mit Hebbel hätte ermöglichen können – wie es im Falle Grillparzers zumindest ansatzweise geschehen ist.
Michael Gmaj (Leipzig)
Aktuelle Inszenierungen Grillparzers und Hebbels
Am Übergang vom Religiösen ins Psychologische. Maria Magdalena am Staatsschauspiel Dresden und am Maxim Gorki-Theater in Berlin. Ludwig Feuerbach erklärte 1841 Religion als „das erste und zwar indirekte Selbstbewußtsein des Menschen. (…) Der Mensch vergegenständlicht in der Religion sein eigenes geheimes Wesen.“ Die beiden Inszenierungen nutzen dieses dem Text inhärente Moment seiner Zeit aus, nehmen das Religiöse konsequent aus dem Text und konfrontieren den Zuschauer mit dem System Familie auf rein psychologischer Basis. Dies zeigt sich nicht nur, jedoch vor allem, in den durchdachten Bühnenbildern.
Die Bühne dient hier in beiden Produktionen als Darstellung von Klaras Wahrnehmung der Welt, ist eine bildliche Erweiterung ihrer selbst. Ausgehend davon denke ich über das inszenatorische Konzept der Produktionen nach und erweitere den Gedanken über ein anderes Beispiel, in denen ähnliche Methoden verwandt worden sind – Hitchcocks Vertigo. Die interessante Frage dabei: Zeigen die Inszenierungen das Psychologische nur als Ersatzreligion unserer Zeit oder denken sie den Konflikt, der beides gleichberechtigt miteinbezieht und dem Text so eigen ist, auch mit?
Ich, Friedrich Hebbel, aus Wesselburen
Jahrestagung der Hebbel-Gesellschaft e.V.
am 6. und 7. Juni 2009 in Wesselburen

Bilder
Christian Quadflieg bei seiner Rezitation am 6. Juni 2009 im Hebbelhaus Wesselburen
Achtung! Sponsoren gesucht!
„Tanzen muß man die friesischen Volksstämme nicht sehen;
sie haben mehr Grazie, wenn sie pflügen und eggen,
als wenn sie sich rhythmisch nach den ‚Götterklängen’ der Musik bewegen.“
Im Widerspruch zu diesen Zeilen, die der in Wien lebende Friedrich Hebbel 1853 über seine norddeutschen Landsleute schrieb, plant die Hebbel-Gesellschaft die Produktion einer CD mit Liedern nach Gedichten des großen dithmarsischen Dichters. Wir arbeiten zu diesem Zweck mit dem Bass-Bariton Ulf Bästlein (Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz) zusammen, der 2004 schon eine CD mit Liedern nach Gedichten von Theodor Storm herausgebracht hat („Songs after Poems by Theodor Storm“ beim Label MDG).
Für uns als Hebbel-Gesellschaft ist es keine Frage, daß wir alles in unserer Macht stehende versuchen, um unseren in der Öffentlichkeit leider sehr vernachlässigten Dichter einem größeren Publikum zu vermitteln. Wir freuen uns, in Prof. Bästlein einen Partner gefunden zu haben, der sich mit echter Begeisterung engagiert und der mit dem Pianisten Charles Spencer einen weltweit renommierten Klavierbegleiter an seiner Seite hat. Lassen wir Prof. Bästlein selbst zu Worte kommen:
„Vor jetzt schon drei Jahren kam mir als bekennendem Hebbel-Liebhaber und hoffnungslos ‚schleswigholsteinverwurzeltem’ Sänger die Idee, einmal nachzuforschen, welche Komponisten sich mit Hebbelscher Lyrik beschäftigt haben. Einige ‚Hebbel-Lieder’ waren mir geläufig, z.B. die von Robert Schumann, Johannes Brahms, Hans Pfitzner, Hugo Wolf und Alban Berg. Nun stieß ich aber über Bibliotheksauskünfte, Internet, dann vor allem durch das überaus hilfreiche ‚Verzeichnis der Vertonungen von Friedrich Hebbels Gedichten’ (Hebbel-Jahrbuch 1998) auf weitere berühmte Namen wie: Max Reger, Franz Liszt, Peter Cornelius, Othmar Schoeck, Heinrich von Herzogenberg u.v.a.m. Mir wurde klar: Da möchtest Du aktiv werden! Ich trat also in Kontakt zu verschiedenen Bibliotheken und unternahm einige ‚Forschungsreisen’: denn es stellte sich heraus, dass es weit mehr Kompositionen nach Hebbel-Gedichten gibt, als ich es je für möglich gehalten hätte. Ca. 300 habe ich (zum Teil gemeinsam mit Charles Spencer) in den vergangenen drei Jahren gesichtet. Und darunter befinden sich einige völlig unbekannte Schätze! So wuchs in mir der Wunsch, eine CD mit diesen Liedern aufzunehmen. Dem schleswig-holsteinischen Publikum ist der weltberühmte britische Liedbegleiter Charles Spencer durch unsere gemeinsamen Konzerte und Meisterklassen im Schloss vor Husum schon seit längerem kein Unbekannter mehr: den Lied-Begeisterten in aller Welt ohnehin nicht. Ich konnte ihn für dieses CD-Projekt als Pianisten und Mitgestalter gewinnen. Und so machten wir uns an die Auswahl der ‚besten’ Hebbel-Lieder. Manches, was zunächst ‚würdig’ erschien, wurde beim zweiten oder dritten Treffen und Musizieren wieder verworfen, und auf diese Art und Weise ‚destillieren’ wir langsam die unserer Meinung nach besten Kompositionen heraus. Ähnlich sind wir verfahren bei der Produktion unserer Theodor-Storm-Lieder-CD, die 2004 erschienen ist. Überraschend ist übrigens, dass sich viel mehr ‚berühmte’ Lieder-Komponisten unter den Vertonern Hebbelscher Lyrik befinden als unter denen Stormscher. Dies steht in erstaunlichem Widerspruch zu der verbreiteten Ansicht, die Gedichte Hebbels seien zu ‚gedankenschwer’ oder zu ‚dramatisch’ und eben dadurch zu wenig lyrisch, um Komponisten zu Liedern zu inspirieren. Die Liste der Hebbel-Vertonungen straft diese Ansicht Lügen….
Bald stellte sich die Frage: wo wollen bzw. können wir dieses spezifische Repertoire gut aufnehmen und dann später einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen; mit anderen Worten: welches Label wäre geeignet und willens, die CD zu produzieren. Es wurde Kontakt zu verschiedenen Firmen aufgenommen; Preise wie Renommé, vor allem aber auch Repertoire werden z.Zt. noch verglichen. Mehrere Klassik-Labels zeigten bereits großes Interesse. Die Qualität der Aufnahmen (tontechnisch wie musikalisch), die Auswahl des Repertoires wie der Künstler, der Vertrieb und damit die Präsenz im Markt – schließlich aber auch das finanzielle Engagement der Firma unsere Produktion betreffend werden den Ausschlag für die Auswahl geben.“
Der Erfolg eines solchen Projektes hängt wesentlich von der Qualität der Produktion, der Seriosität der Präsentation und der Professionalität der Aufmachung ab. Das hat selbstverständlich seinen Preis. Daher bitten wir Sie, als Sponsoren aktiv zu werden. Unterstützen Sie uns bei der Verwirklichung eines Vorhabens, das einzigartig zu werden verspricht und sicher überregional Aufsehen erregen wird. Es gibt unzählige Aufnahmen mit Goethe-, Heine-, Rückert- oder Eichendorff-Vertonungen, aber bisher noch keine CD mit Hebbel-Liedern. Helfen Sie uns, diesem Zustand ein Ende zu machen!
Für Anfragen stehen wir gern zur Verfügung!
Projekte
Die Hebbel-Gesellschaft bemüht sich, ihrer Satzung gemäß,
um eine Verbreitung von Hebbels Werk und Anregung der Forschung über
ihn, sein Denken und seine Zeit. Dies geschieht einerseits
durch das Hebbel-Jahrbuch, das mit inzwischen 60 Jahrgängen
eines der ältesten und langlebigsten dichterspezifischen
Periodika überhaupt ist.
Andererseits ist es das langfristige Ziel der Gesellschaft,
nach und nach sämtliche Werke Hebbels in neuen historisch-kritischen
Ausgaben herauszubringen, da die vom Anfang des 20. Jahrhunderts
stammende Ausgabe von Richard Maria Werner in ihrer Qualität
sehr ungleich ist und den Erfordernissen moderner Editionen
nicht mehr gerecht wird. 1999 wurde die fünfbändige
neue Briefausgabe fertiggestellt (vgl. Publikationen). Als
nächstes Projekt soll die Neuedition der Tagebücher
angegangen werden, da eine sorgfältig kommentierte Ausgabe
gerade hier ein dringendes Desiderat ist.
Seit 1991 veranstaltet die Gesellschaft internationale Symposien,
die die Hebbel-Forschung befruchten sollen. Bisherige Themen:
- 30./31. Mai 1991 in Wesselburen: Aspekte der Gewalt bei
Friedrich Hebbel.
- 10./11. Juni 1993 in Wesselburen: Friedrich Hebbels Tagebücher.
- 15./16. Juni 1995 in Wesselburen: Friedrich Hebbel und
seine Zeit.
- 29./30. Mai 1997 in Wesselburen: Friedrich Hebbels Lyrik.
- 10./11. Juni 1999 in Weimar: Hebbel in Weimar.
- 14./15. Juni 2001 in Wesselburen: Hebbel im 20. Jahrhundert.
- 7.–9. Mai 2003 in London: The Legacy of Friedrich
Hebbel.
- 15./16. Juni 2006 in Wesselburen: Zur Aktualität des Mythos: Ad Hebbels Nibelungen
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